Quelle:
Badische Heimat Mein Heimatland 
33. Jahrg. 1953 Heft 2 Seite143 - 146

Markante Gestalten des Hotzenwaldes 

Von LeopoId DöbeIe, Murg (Baden) am Hochrhein

Unter dem Einfluß der alles nivellierenden neuzeitlichen Entwicklung ist schon viel Ursprünglichkeit eingeebnet und vernichtet worden. Wer noch echte Ursprünglichkeit, Urwüchsigkeit und natürliche Originalität sucht, der findet sie auf dem Hotzenwald, dem südwestlichsten Eckpfeiler des Schwarzwaldes. Schon Scheffel hatte seine Freude an diesem urwüchsigen und kernigen Volk des Hotzenwaldes. In seinen Reisebildern "aus dem Hauensteiner Schwarzwald" und in seinen "Säckinger Episteln" hat er seine Erlebnisse und Eindrücke vor hundert Jahren festgehalten. Wenn sich auch seitdem manches geändert hat, so hat doch der Hotzenwald im ganzen seine eigenwillige Ursprünglichkeit noch behalten. Noch heute ist der "Wald" reich an urwüchsiger, knorriger Originalität. Aus dem kernigen und mannhaften Volk des Hotzenwaldes sind aber zu allen Zeiten auch bedeutende und führende Persönlichkeiten hervorgegangen, die, ganz aus dem herben und derben Holz geschaffen, durch ihr Wirken und Auftreten als besonders markante Gestalten des Hotzenwaldes betrachtet werden können.

Einer der bedeutendsten unter ihnen war der Redmann Adam Tröndlin, der Müller zu Unteralpfen (1660 - 1714). (Anm.1) Er wurde zu Waldkirch als Sohn des Johannes Tröndlin von Waldkirch (bei Waldshut) und der Margareta Eschbachin von Kuchelbach geboren. Er heiratet Anna Maria Gersterin, die Witwe in der bekannten Mühle zu Unteralpfen. Am politischen Geschehen seiner Heimat nahm er stets regen Anteil. Er wurde früh zum Einungsmeister von Birndorf - Unteralpfen und später zum Redmann der Grafschaft Hauenstein gewählt. Als Mitglied des Dritten Standes vertrat er das Hauensteinerland in der Ständekammer zu Freiburg. Im Jahre 1704 reiste er sogar nach Wien, um die Interessen der Grafschaft am Hof wahrzunehmen und wurde hierbei sogar von Prinz Eugen, dem bekannten Feldherrn, in Audienz empfangen. Er war ein würdiger Mann seines Volkes, der es verstand, für eine gute Sache einzutreten. Er starb am 11. Februar 1714 und wurde in Unteralpfen beigesetzt.   (zur Ahnengalerie)
Nicht weniger bedeutend war sein Sohn Josef Tröndlin, der Müller und Einungsmeister von Unteralpfen, der in den bewegtesten Zeiten der Geschichte des Hotzenwaldes - in der Zeit der Salpeterunruhen (1719-1755) die Geschicke seines Landes als Einungsmeister und zeitweise als Redmann bestimmte. Er war mit Maria Zimmermann aus Todtnau verheiratet, die ihm 9 Kinder schenkte. Es muß eine stattliche, würdige Erscheinung gewesen sein, der aufrechte Mann mit seinem hohen Wuchs und seinem wallenden Bart und seinem klugen Gesichtsausdruck, dessen Bild uns in Gemälden erhalten geblieben ist. 
Der Einungsmeister Josef Tröndlin war ein Mann mit reichen Geistesgaben, der, rede- und schreibgewandt wie er war, sich in Wort und Schrift unentwegt für die Belange seiner Heimat einsetzte. Er war von streng rechtlichem Sinn und hatte deshalb schwere Anfeindungen zu bestehen. Seine Widersacher, die "Salpeterer", nahmen eine sehr feindliche Haltung gegen ihn ein. Zuerst unter Anführung des Johann Fridolin Albiez, des sog. "Salpeterhans", wandten sie sich gegen Österreich und gegen die Ansprüche des Klosters St. Blasien. 
Josef Tröndlin war der führende Kopf der Gegenpartei, der den besonnenen Teil des Volkes vertrat. Er strebte einen friedlichen Ausgleich mit Österreich und St. Blasienan. Besonders setzte er sich für den Loskauf der Grafschaft Hauenstein ein, was ihm auch gelang. Im Jahre 1738 kaufte sich die Grafschaft Hauenstein von St. Blasien los um 58000,- fl. Doch bei der allgemein herrschenden Not legte sich die Unzufriedenheit dennoch nicht. Tröndlin wurde von seinen Gegnern nicht verstanden.
Er wurde von ihnen geschmäht, verfolgt und bekämpft. Seine Widersacher mieden seine Mühle, ließen ihm die Fischweiher ab, überfielen und beraubten ihn im eigenen Haus. 
In der Nacht vom 2. zum 3. August 1743 wurde er und sein Gesinnungsfreund gleichen Namens, der tüchtige Redmann Josef Tröndlin aus Rotzel, in den eigenen Häusern von den "Salpeterern" überrascht, aus den Betten geholt, mißhandelt, mit Gewalt nach Görwihl geschleppt und dort in einem Wirtshaus so lange gefangen gehalten, bis sie am 12. August 1743 durch 20 Husaren und 50 Grenadiere, die aus Freiburg / Brg. auf den Wald beordert worden waren, befreit wurden. Es herrschten damals harte Zeiten und rauhe Sitten. Doch selbst diese bitteren Erfahrungen vermochten nicht, Tröndlin von seiner geraden Linie abzubringen. Er erklärte immer: "er wolle gern alles gelitten haben, wenn nur die Grafschaft nit zu leiden bekomme". So war der Einungsmeister Jos. Tröndlin von Alpfen ein Mann von einer untadeligen, geraden rechtlichen Gesinnung, die getragen war von einem geradezu vorbildlichen traditionsbewußten, politischen Verantwortungsbewußtsein. Er war ein Demokrat im besten Sinne des Wortes. Als er am 29. Dezember 1748 starb, wurde er mit großen Ehren unter Teilnahme des kaiserlichen Waldvogtes, des Redmanns und der Einungsmeister der Grafschaft Hauenstein und des Volkes in Unteralpfen bestattet. Die Einungsmeister mit ihrer blauen Amtstracht trugen selbst den Sarg, begleitet von den Amtswaibeln in ihren hellroten Röcken und mit ihren Hellebarden.

Anm. 1             zum Text
das Geburtsdatum von Adam Tröndle ist der 2.3.1660, am 4.5.1655 ist sein gleichnamiger Bruder geboren der aber früh gestorben ist. 

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Quellen:
Badische Heimat Mein Heimatland 33. Jahrg. 1953 Heft 2 Seite143 - 146
Jakob Ebner Eine Müllerdynastie im Schwarzwald. Radolfzell 1910 W. Moriell
Ahnentafel Tröndle Waldkirch / Hans Gassmann, Markus Jehle

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